Hansaviertel Berlin

Mit Marzahn und Gropiusstadt erarbeite ich mir neue Viertel in Berlin und dazu gehört eben auch das Hansaviertel.

3 Bezirke, die für Besucher der Stadt eher nicht auf der Agenda stehen.
Wohl auch zu recht, denn schon alleine die Architektur wirkt eher abstoßend.

Es gibt keine kleinen schnuckeligen Cafés, sondern eher muffige Bierkneipen.

Statt veganer Currywurst, eher die fetten Pommes mit Buletten.

Aus den Wohnungen riecht es nach Hausmannskost, und das bunte quirlige Leben ist in diesen Bezirken nicht zu finden.

Und trotzdem oder gerade deswegen ist es einfach genial, mal genauer hin zu schauen.

Zur Vorbereitung für einen Workshop war dann auch das Hansaviertel im Visier und im Gegensatz zu den zwei anderen genannten Vierteln ist hier alles etwas bunter… wenn man hinschaut.

Etwas zur Geschichte im Hansaviertel!

Ab 1953 begann die Planung für einen im Krieg fast völlig zerstörten Wohnbezirk. 1957 wurde es offiziell zur Internationalen Bauausstellung eröffnet.

Es entstanden Punkthochhäuser mit bis zu 17 Geschossen, Querriegel mit bis Zwei- bis Acht-geschossige Wohnzeilen und eine Reihe von Einfamilien-Flach-Dachhäusern und Pavillons.

Die Gebäude scheinen verstreut zueinander zu liegen und tatsächlich sind sie nicht einheitlich an einer Straße angelegt. Vielmehr wird man bei der Erkundung des Gebietes immer wieder über grüne Wiesen und kleine Fusswege zu den Gebäuden gelangen.

Es war alles so politisch damals.
Diese Art der Bebauung sollte ein Ausdruck der „Freien Natürlichkeit“ darstellen. Es ging um politische Freiheit und dass diese ein Naturrecht darstellt.
Es sollte die Anbindung Westberlins an den Rest der Bundesrepublik verdeutlichen.

Und auch wenn man sich so sehr abgrenzen wollte gegenüber der Stalinallee im Osten, so gab es doch auch Gemeinsamkeiten: die Vielfalt der Materialien.

Einer der auffälligsten Unterschiede ist sicherlich auch die Gestaltung der Straßen. Während die Stalinallee als Aufmarschstraße angelegt wurde, so eignet sich das Hansaviertel noch nicht einmal für eine kleine Demonstration. Zu verschlungen sind Straßen und Wege. 

Kacheln an den Hausfassaden!

In der Stalinallee wird gerne über die Kacheln an den Häusern geschmunzelt. Aber hier im Hansaviertel sind sie ebenso stark präsent. Allerdings nicht mit kleinteiligen Ornamenten versehen, sondern als klar abgrenzende Farbflächen. Auch wenn sich die Menge der Kacheln an den Häusern deutlich unterscheiden, so findet man doch fast an jedem Haus welche, in unterschiedlichen Größen und Farben. Es ging darum, diese Bauwerke optisch aufzulockern, denn eines blieben sie: Hochhäuser.

Ein weiteres Material wird in nicht unerheblicher Menge verarbeitet: Sichtbeton.
Und manche Verwendung erinnert an die Brutalismus Architektur.

Es gibt noch viel Material Mix zu entdecken, wie Glas, Beton, Kieselsteine, Schieferplatten, Plexiglas sowie Eternit und damit auch Asbest.

Foto Tipps!

Wenn ihr mal Lust habt, das zu entdecken, dann bewaffnet euch an einem schönen Tag mit eurer Kamera und streift durch die Grünanlagen und geht vor allem auch ran an die Häuser und drum herum. 

Solltet ihr die Möglichkeit haben entscheidet selber welche Blende ihr verwenden möchtet. ISO kann auf Automatisch stehen und die Belichtungszeit auch.

Schaut nach oben, achtet auf das Streiflicht, schaut durch die Treppenhäuser hindurch, achtet auf die lichtdurchflutenden Aufgänge, schaut nach unten und bemerkt die verschiedenen Arten der Pflasterung.

Eine emotionale Herangehensweise an die Architektur!

Für die rein technische Architekturfotografie werdet ihr ein Stativ benötigen. ISO steht auf 100, die Blende entscheidet ihr. Die Belichtungszeit wird sich ergeben.

Mögliche Gestaltungsmittel

Stürzende Linien vermeiden oder bewußt verwenden
Aus Versehen entstandene stürzende Linien werden dem Betrachter Schmerzen verursachen.
Bewusst kann man sie einsetzen, um ein Gebäude noch größer, imposanter wirken zulassen.
Ggf. größere Brennweite nehmen und mit noch mehr Abstand arbeiten.

Tageszeit
Dämmerung oder wenn es dunkel ist.
Lichter bringen Lebendigkeit und Strukturen klarer raus.
Bsp. Beleuchtetes Fenster.

Perspektive
Ruhig mal rauf oder runter, nutze nicht nur die Durchschnittsperspektive.

Tiefenwirkung
Diagonalen einbauen.

Reflexionen
Jedes Gebäude wirkt mächtiger, wenn du Reflexionen einbauen kannst.

Filter richtig einsetzen
Natürlich der Polfilter, aber auch ein Graufilter, wenn die Menschen weg
sollen oder die Wolken am Himmel verwischen. Das bringt viel Tiefe in eine Bild.

Niemals ohne mein Stativ 🙂

Das richtige Licht
Wenn du doch tagsüber fotografierst, dann achte auf Streiflicht. Bringt
ebenfalls mehr Leben und Spannung in ein Motiv.

Achte auf den Vordergrund
Gerade bei der Benutzung eines Weitwinkels kann es passieren, dass ein
Vordergrund zu dominant wird und das eigentliche Motiv nicht mehr richtig raus kommt.

Und der wichtigste Tipp:

Meiner Meinung nach ist das der wohl wichtigste Tipp: ZEIT LASSEN!

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